Im Detail
1. Glamsterdam-Upgrade (Q4 2026)
Überblick: Das nächste geplante Hard Fork – eine größere, grundlegende Änderung am Netzwerkprotokoll – soll im vierten Quartal 2026 eingeführt werden (Decrypt). Zu den wichtigsten Neuerungen zählen Block-level Access Lists (EIP-7928). Sie sollen ermöglichen, Transaktionen parallel statt nacheinander zu verarbeiten. Außerdem ist eine direkt ins Protokoll integrierte Trennung zwischen Block-Vorschlag und Block-Erstellung (ePBS) geplant. Sie soll die Block-Produktion dezentralisieren und für eine fairere Verteilung der MEV-Einnahmen sorgen. Das Upgrade soll außerdem das Gas-Limit deutlich anheben – möglicherweise auf 100 Millionen oder mehr. Dadurch könnte die Basisschicht mehr Transaktionen verarbeiten.
Was das bedeutet: Für ETH ist das grundsätzlich positiv, denn die parallele Verarbeitung könnte einen bisherigen Engpass von Ethereum beseitigen. So könnten Transaktionen auf der Basisschicht schneller und günstiger werden. Kurzfristig ist die Einschätzung jedoch eher neutral bis negativ: Umfangreiche Änderungen am Protokoll bergen technische Risiken und können sich verzögern. Wenn der Zeitplan ins Rutschen gerät, könnte das die Stimmung zunächst belasten.
2. Hegotá-Upgrade (H2 2027)
Überblick: Hegotá ist für die zweite Hälfte des Jahres 2027 geplant und soll auf den Neuerungen von Glamsterdam aufbauen (CoinJournal). Zu den wichtigsten Vorschlägen gehören FOCIL (EIP-7805), das die Aufnahme von Transaktionen in Blöcke sicherstellen und so Zensur erschweren soll, sowie Frame Transactions (EIP-8141). Letztere würden sogenannte Smart-Contract-Wallets direkt ins Protokoll integrieren. Damit wären unter anderem die Wiederherstellung eines Kontos mit Unterstützung anderer Personen, von Dritten bezahlte Transaktionsgebühren und flexiblere Methoden zur Freigabe von Transaktionen möglich.
Was das bedeutet: Für ETH ist das positiv. Mehr Schutz vor Zensur würde Ethereum als neutrale Abwicklungsschicht stärken. Die direkt integrierte Kontoabstraktion könnte Wallets zudem einfacher und sicherer machen und ihre Nutzung für ein breiteres Publikum erleichtern. Da die Einführung erst in mehreren Jahren geplant ist, handelt es sich um einen langfristigen Impuls. Viel hängt davon ab, ob die vorherigen Upgrades erfolgreich umgesetzt werden.
3. Quantenresistenz und Datenschutz (Ziel: 2029)
Überblick: Die im Fahrplan „Strawmap“ beschriebene strategische Ausrichtung räumt postquantenkryptografischen Verfahren auf allen Protokollebenen hohe Priorität ein. Bis Dezember 2029 soll erforscht werden, wie Ethereum gegen Angriffe künftiger Quantencomputer geschützt werden kann (Toobit). Dazu gehört die Untersuchung neuer Signaturverfahren wie LeanSPHINCS. Gleichzeitig sieht der Fahrplan native Datenschutzfunktionen vor, etwa schlüsselgebundene Nonces und aktuelle Zustandswurzeln. Sie könnten abgeschirmte ETH-Überweisungen ermöglichen, ohne dass dafür externe Anwendungen nötig sind.
Was das bedeutet: Für ETH ist die Einschätzung neutral bis positiv. Sich frühzeitig mit möglichen Gefahren durch Quantencomputer zu befassen, ist eine sinnvolle langfristige Schutzmaßnahme und könnte das Vertrauen institutioneller Anleger stärken. Die Vorhaben erfordern jedoch umfangreiche Forschung; der technische Weg ist noch nicht klar und die Fristen liegen weit in der Zukunft. Daher prägen sie vor allem die langfristige Entwicklungsrichtung und dürften kurzfristig kaum zusätzlichen Nutzen oder Kursimpulse bringen.
Fazit
Ethereum richtet seine Entwicklung klar auf technische Verbesserungen aus. Der geplante Schwerpunkt liegt zunächst auf mehr Skalierbarkeit, danach auf einer besseren Nutzererfahrung und schließlich auf Sicherheit für die Zukunft. Das Netzwerk entwickelt sich damit von einer klassischen Blockchain zu einem verifizierbaren, kryptografisch abgesicherten „Weltcomputer“. Könnte die erfolgreiche Umsetzung von Glamsterdam den Grundstein für die nächste große Wachstumsphase von Ethereum legen?