Im Detail
1. Glamsterdam-Upgrade (4. Quartal 2026)
Überblick: Glamsterdam ist die nächste größere Änderung am Netzwerk. Das Upgrade war ursprünglich für die erste Hälfte des Jahres 2026 vorgesehen, wird nun aber für das vierte Quartal erwartet (Decrypt). Im Mittelpunkt steht, mehr Transaktionen auf der Ethereum-Basisschicht ausführen zu können. Zu den geplanten Neuerungen gehören Enshrined Proposer-Builder Separation (ePBS), die die Erstellung von Blöcken dezentralisieren soll, Block-Level Access Lists, die die Verarbeitung durch Netzwerkknoten beschleunigen können, sowie eine höhere Kapazität für „Blobs“. Blobs enthalten Daten für Layer-2-Rollups und sollen es ermöglichen, mehr davon zu verarbeiten.
Was das bedeutet: Mehr Kapazität auf der Basisschicht könnte Überlastung und starke Schwankungen bei den Gebühren verringern und so die Nutzung von Anwendungen auf Ethereum erleichtern. Ein wichtiges Risiko sind weitere Verzögerungen, die bestehende Engpässe bei der Skalierung verlängern könnten.
2. Hegotá-Upgrade (für 2027 geplant)
Überblick: Hegotá soll auf Glamsterdam folgen und wichtige Funktionen für Datenschutz und Zensurresistenz einführen (CoinMarketCap). Im Zentrum steht Fork-Choice Enforced Inclusion Lists (FOCIL, EIP-7805). Damit könnten Validator-Komitees dafür sorgen, dass bestimmte Transaktionen in Blöcke aufgenommen werden. Das würde es deutlich erschweren, Transaktionen zu zensieren. Entwickler arbeiten außerdem daran, Frame Transactions (EIP-8141) und damit verbundene Vorschläge aufzunehmen. Sie könnten native Privacy Pools ermöglichen, die ihre Gebühren selbst bezahlen können.
Was das bedeutet: Das Upgrade könnte die Integrität des Netzwerks und die Kontrolle der Nutzer über ihre Transaktionen stärken. Dadurch könnten Anwendungen und Nutzer, denen Datenschutz besonders wichtig ist, eher auf Ethereum setzen. Auf der anderen Seite sind komplexe kryptografische Änderungen mit technischen Risiken verbunden und könnten die Aufmerksamkeit von Aufsichtsbehörden auf sich ziehen.
3. Quantensicherheit und ein schlankeres Protokoll (Frist: 2029)
Überblick: Ein zentrales Ziel der aktualisierten „Strawmap“-Roadmap ist es, Ethereum bis Dezember 2029 in den Ausführungs-, Konsens- und Datenebenen umfassend gegen Quantencomputer abzusichern (Crypto.news). Dazu wird an quantensicheren Signaturverfahren wie LeanSPHINCS geforscht, auf die das Netzwerk später umgestellt werden könnte. Parallel dazu soll die „Lean“-Initiative die Protokollspezifikation vereinfachen. So könnte sie sich mithilfe formaler Beweise leichter überprüfen lassen; möglicherweise kommen dabei auch KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz.
Was das bedeutet: Quantensicherheit könnte Ethereum langfristig vor einer grundlegenden Bedrohung für seine kryptografische Sicherheit schützen und damit auch seine Rolle als langfristiger Wertspeicher stärken. Die Umstellung ist jedoch eine mehrjährige Forschungs- und Entwicklungsaufgabe. Ein reibungsloser Ablauf ist nicht garantiert, sodass Verzögerungen und technische Probleme ein längerfristiges Risiko darstellen.
Fazit
Die Roadmap von Ethereum richtet den Blick nicht mehr nur auf Skalierbarkeit. Sie soll das Netzwerk auch datenschutzfreundlicher und widerstandsfähiger gegen Quantencomputer machen – mit dem Ziel, einen „kryptografischen Weltcomputer“ zu schaffen. Die anstehenden Glamsterdam- und Hegotá-Upgrades sollen dafür die praktische Grundlage legen. Die für 2029 angestrebten Änderungen erfordern dagegen noch erhebliche Forschungsarbeit. Wie wird sich die Ethereum Virtual Machine weiterentwickeln, damit sie mit bestehenden Anwendungen kompatibel bleibt und zugleich einfacher und besser überprüfbar wird?