Im Detail
1. Zweck und Nutzen
edgeX setzt bei einer zentralen Herausforderung von DeFi an: dem Spagat zwischen der eigenen Verwahrung von Vermögenswerten und hoher Handelsleistung. Herkömmliche dezentrale Börsen sind oft langsam, und bei größeren Aufträgen kann es zu deutlichen Abweichungen zwischen dem erwarteten und dem tatsächlich erzielten Preis kommen.
edgeX ist als dezentrale Börse für Perpetual Futures konzipiert. Sie nutzt ein zentrales Limit-Orderbuch (CLOB), in dem Kauf- und Verkaufsaufträge gesammelt und miteinander abgeglichen werden. Dadurch soll sie hohe Liquidität, niedrige Gebühren und schnelle Ausführung bieten – Eigenschaften, die häufig mit zentralisierten Börsen verbunden sind. Gleichzeitig behalten Nutzerinnen und Nutzer die volle Kontrolle über ihre Vermögenswerte. Langfristig soll edgeX zu einem skalierbaren, vor allem für Mobilgeräte ausgelegten Liquiditätszentrum für On-Chain-Märkte werden (edgeX).
2. Technologie und Architektur
Die Plattform läuft auf der EDGE Chain, einer eigens entwickelten Blockchain auf Basis des Arbitrum Orbit Stack. Eine wichtige technische Komponente ist die Engine zur deterministischen parallelen Transaktionsverarbeitung. Vereinfacht gesagt, kann sie mehrere Transaktionen gleichzeitig statt nacheinander verarbeiten.
Die modulare Architektur bündelt die Handelsfunktionen in einer spezialisierten virtuellen Maschine namens edgeVM. Laut Projektangaben kann die Plattform so bis zu 200.000 Aufträge pro Sekunde verarbeiten und diese in weniger als 10 Millisekunden zusammenführen. Damit soll sie Überlastungen vermeiden, die bei Blockchains auftreten können, in denen alle Anwendungen dieselben Ressourcen nutzen (WEEX).
3. Token und Mitbestimmung
Die Gesamtmenge des EDGE-Tokens ist auf 1 Milliarde begrenzt. Der Token soll vor allem drei Aufgaben erfüllen:
- Mitbestimmung: Inhaberinnen und Inhaber können über sogenannte edgeX Improvement Proposals (eIPs) an Entscheidungen zur Weiterentwicklung mitwirken.
- Staking: Token können in einem System mit delegierten Validatoren eingesetzt werden, um zur Absicherung des Netzwerks beizutragen.
- Förderung des Ökosystems: Der Token kann für Maßnahmen wie Förderprogramme für Entwicklerinnen und Entwickler sowie Belohnungen für die Bereitstellung von Liquidität genutzt werden.
Die geplante Verteilung sieht 30 % für frühe Nutzerinnen und Nutzer, 30 % als Reserve für die Zukunft, 25 % für Team und Investoren (mit einer Sperrfrist von 24 Monaten) und 15 % für das Ökosystem und die Community vor. Diese Aufteilung soll die Kontrolle schrittweise dezentralisieren und den Wert des Tokens stärker an die Nutzung der Plattform binden (edgeX).
Fazit
edgeX ist im Kern ein Infrastrukturprojekt: Die Blockchain-Technologie wird gezielt für den schnellen Handel mit Derivaten angepasst. Das Projekt will die Leistungsfähigkeit zentraler Börsen mit den Grundsätzen von DeFi verbinden. Entscheidend wird sein, ob die technische Architektur dauerhaft genügend Liquidität anziehen kann, um auch den Ansprüchen professioneller Händlerinnen und Händler gerecht zu werden.
Kann eine eigens für diesen Zweck entwickelte Blockchain zur bevorzugten Abwicklungsschicht für On-Chain-Derivate werden?